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Körperliche Aktivität als Therapie - Teil 2

Bewegung als Therapie

Der Einfluss körperlicher Aktivität bei chronischen Erkrankungen – was sagt die Forschung? TEIL 2

Dieser zweite Teil der Beitragsreihe beschäftigt sich mit dem Einfluss körperlicher Aktivität als Therapie chronischer Erkrankungen. Insbesondere wissenschaftliche Erkenntnisse der Bereiche Hypertonie, COPD, Koronare Herzkrankheit, chronischer Herzfehler, sowie Osteoarthrose und Osteoporose werden behandelt.

Im ersten Teil der Beitragsreihe wurden bereits diese Themen beschrieben:

  • Welche Art körperlicher Aktivität wird bei chronischen Erkrankungen empfohlen?
  • Wirkung von körperlicher Aktivität bei gestörter Glukosetoleranz (Vorstadium von Diabetes)
  • Wirkung von körperlicher Aktivität bei Diabetes Typ 2
  • Wirkung von körperlicher Aktivität Dyslipidämie

Dieser aktuelle zweite Teil der Beitragsreihe beschäftigt sich mit wissenschaftlichen Studien weiterer chronischer Erkrankungen.

Wirkung von körperlicher Aktivität bei Hypertonie (Bluthochdruck)

Blutdruck messen

Eine Meta-Analyse (Analyse der zusammengefassten Ergebnisse) von 54 Studien zeigte, dass Ausdauertraining den systolischen Blutdruck bei Hypertonikern um durchschnittlich 3,8 mmHg reduziert und den diastolischen Blutdruck um 2,6 mmHg. Die einzelnen Studien hatten unterschiedliche Zeiträume - durchschnittlich waren es 12 Wochen.

Diese Reduzierung eines zu hohen Blutdrucks wird besonders bedeutsam, wenn man eine hochrangige Meta-Analyse von 61 Studien betrachtet. Bei diesen Studien handelt es sich um sogenannte prospektive Varianten. Das bedeutet, dass die insgesamt 1 Million Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Studien in den Folgejahren beobachtet wurden – mit dem Schwerpunkt der Blutdruckmessung.

Die Ergebnisse zeigen einerseits, dass das Sterblichkeitsrisiko kontinuierlich reduziert wird, je näher man an den gesunden Blutdruck von 115 mmHg systolisch und 75 mmHg diastolisch gelangt. Es konnte beobachtet werden, dass eine Reduzierung des Bluthochdrucks um 10 mmHg systolisch oder 5 mmHg diastolisch (was üblicherweise bei Interventionen binnen weniger Jahre erreicht wird) sehr positive Langzeiteffekte hat: Das Risiko an einem Schlaganfall zu sterben reduziert sich um 40% und das Risiko an einem Herzinfarkt oder anderen vaskulären Erkrankungen zu sterben reduziert sich um 30%.

Aber auch eine nur 2 mmHg Abnahme des systolischen Blutdrucks reduziert die Sterblichkeit durch Schlaganfälle bereits um 10% und durch Herzinfarkte und andere vaskuläre Erkrankungen um 7%.

Lesetipp: Bewegungsempfehlungen bei Hypertonie

Wirkung von körperlicher Aktivität bei COPD

Lunge am Tshirt

Ausdauertraining beinhaltende Rehabilitationsprogramme für COPD-Patienten führen zu geringerer Dyspnoe (Kurzatmigkeit), reduzierter Fatigue (Müdigkeitssyndrom), verbesserter emotionaler Verfassung und einer gesteigerten individuellen Kontrolle der Erkrankung. Zu diesen Erkenntnissen kam eine Zusammenfassung von 65 Studien mit insgesamt 3822 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

In Summe haben diese Ergebnisse eine sehr hohe klinische Relevanz und führen zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität.

Die meisten Studien (Interventionen) dauerten 8 bis 12 Wochen. Es ist noch nicht eindeutig bestimmbar, welche Dauer und Intensitäten die idealen Komponenten der Rehabilitationsprogramme sind. Unumstritten ist aber, dass der positive Effekt eintritt.

Lesetipp: Warum ist körperliche Aktivität bei COPD wichtig?

Wirkung von körperlicher Aktivität bei Koronarer Herzkrankheit

Herz in Hand

Im Bereich Koronarer Herzkrankheit kann regelmäßige körperliche Aktivität die Sterberate um 20% reduzieren. Dieses Ergebnis wurde von einem Review-Artikel (wissenschaftlicher Prozess einer systematischen Literaturrecherche) bestätigt. 48 Studien mit insgesamt 8940 Patientinnen und Patienten wurden dabei untersucht. Das körperliche Training hat dabei direkte positive Einflüsse auf primäre Risikofaktoren (zum Beispiel Cholesterinwerte und systolischer Blutdruck).

Lesetipp: Körperliche Aktivität gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Wirkung von körperlicher Aktivität bei chronischem Herzfehler

Ekg

Auch bei chronischem Herzfehler sind Rehabilitationsprogramme, die körperliche Aktivität beinhalten, sehr wertvoll.

Ein Review (systematischen Literaturrecherche) von 31 Studien, die sich mit Patienten mit chronischem Herzfehler beschäftigen, konnte deutliche positive Effekte durch körperliche Aktivität nachweisen. Diese sind unter anderem in den Bereichen der maximalen Sauerstoffaufnahme (Leistungsfähigkeit im Ausdauerbereich), der Lebensqualität, des Blutdrucks, sowie der Mortalität zu beobachten.

Eine Meta-Analyse (Ergebniszusammenfassung) von 800 Patientinnen und Patienten mit chronischem Herzfehler kam ebenso zu dem Gesamtergebnis, dass körperliches Training die Mortalität signifikant reduziert. Die Autoren dieser Studie betonen zudem, dass es keinen Hinweis darauf gibt, dass ein therapeutisch geleitetes Trainingsprogramm gefährlich für Patienten mit chronischem Herzfehler ist.

Wirkung von körperlicher Aktivität bei Osteoarthrose und Osteoporose

Knie Arthrose

Körperliche Aktivität stellt eine bedeutsame nichtpharmakologische Behandlungsstrategie bei Osteoarthrose dar. Das Hauptziel ist die Reduktion von Schmerzen und Einschränkungen. Dabei stehen vor allem die Stärkung der Muskulatur, Stabilisierung der Gelenke, Erhöhung der Bewegunglichkeit, sowie die Verbesserung der Ausdauerfähigkeit im Vordergrund. Zusätzlich hilft Bewegungstherapie durch gezielte Korrekturen des Gangbildes dabei, Beschwerden und Einschränkungen zu reduzieren.

Ein Review (systematische Literaturrecherche) hat die Effekte von körperlicher Aktivität bei Osteoarthrose im Knie- und Hüftgelenk untersucht und herausgefunden, dass bei den Patientinnen und Patienten weniger Schmerzen auftraten und die Bewegungen weniger eingeschränkt waren, was zu einer erleichterten Bewältigung von Alltagssituationen verhalf. Zwei Studien dieses Reviews haben sich zusätzlich mit Langzeiteffekten beschäftigt. Wenn das Training beibehalten wird, können die positiven Veränderungen auch erhalten bleiben.

Bei Osteoporose besteht ein erhöhtes Risiko von Knochenfrakturen aufgrund einer reduzierten Dichte des Knochengewebes. Basierend auf der Annahme, dass körperliche Inaktivität sich negativ auf die Knochenmasse auswirkt und eine regelmäßige körperliche (mechanische) Belastung durch Bewegung die Dichte erhöht, wurde ein Review durchgeführt. Dieser untersuchte den Effekt von Bewegungstherapien zur Prävention von Knochendichteverlust und Frakturen. Insgesamt wurden 43 Studien mit 4320 Teilnehmerinnen untersucht. Die effektivste Trainingsart (bezüglich der Mineraliendichte des Oberschenkelhalsknochens) war dabei gezieltes Krafttraining der umliegenden Muskelgruppen.

Vorschau der Themen von TEIL 3

Nachdem körperliche Aktivität in so vielen Bereichen chronischer Erkrankungen wirksam ist, werden weitere Themengebiete im dritten Teil dieses Beitrages beschrieben:

  • Fibromyalgie
  • Fatigue-Syndrom
  • Krebs
  • Depressionen
  • Asthma

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Quellen:

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Taylor, R.S., Brown, A., Ebrahim, S., Jolliffe, J., Noorani, H., Rees, K. et al. (2004). Exercise-based rehabilitation for patients with coronary heart disease: systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. American Journal of Medicine, 116 682–92.

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Howe, T. E., Shea, B., Dawson, L. J., Downie, F., Murray, A., Ross, C., ... & Creed, G. (2011). Exercise for preventing and treating osteoporosis in postmenopausal women. Cochrane database of systematic reviews, (7).